Zur Entstehung des Projektes:Am schönsten sind Treffen, bei denen man durch Zufall alte Freunde wiederfindet. Genau so war’s, als Ende der 90er der Kabarettist Wendelin Haverkamp, der bis zum Studienbeginn 1969 in Düsseldorf zur Schule ging, per Zufall bei einem Abendessen Wolfgang Engstfeld wiedertraf; und zwar just am nahrhaften Küchentisch des gemeinsamen Freundes Peter Weiss, Düsseldorfer Schlagzeuger und Jazz-Urgestein.
Rückblende: In Düsseldorf-Oberkassel befindet sich ein Spielplatz, auf dem Anfang der 60er auch die Kinder der Familien Engstfeld und Haverkamp spielten - zunächst mehr mit Murmeln und auf der Schaukel. Die Lebenswege führten auseinander und auf verschiedene künstlerische Spielplätze: Wolfgang Engstfeld in den modernen Jazz, den er im Zusammenspiel mit Peter Weiss auf Tourneen durch die ganze Welt wie auch als Saxophon-Professor der Musikhochschule Köln kultivierte, Wendelin Haverkamp ins literarische Kabarett. Wobei stets auch die Musik, nicht nur die der Sprache, für Haverkamp eine große Rolle spielte. Kein Wunder: Führte doch sein Schulweg durch die Düsseldorfer Altstadt, wo er in einschlägigen Jazz-Lokalen wie dem berühmten „Downtown“ seinen Stundenplan erweiterte; ein Ort, an dem auch
Engstfeld und Weiss wichtige erste Jazz-Erfahrungen sammelten.
Als sich nun die drei, inzwischen alle um die fünfzig, per Zufall bei Peter Weiss wiedertrafen, war bald allen klar, daß es höchste Zeit sei, wieder mal zusammen zu spielen - diesmal nicht im Fußballtor oder auf der Schaukel, sondern gegenseitig sich was vor und mit- und durcheinander.
So entstand die Idee des gemeinsamen Projektes „Treffpunkt Spielplatz“: Kein schwerbeladenes und kopflastiges Projekt, sondern ein leichtes und verrücktes, sprich leicht verrücktes Zusammentreffen von Wort und Musik in der Sprache von literarischem Kabarett und modernem Jazz, in dem Platz für Spontaneität und Unsinn, aber auch für ernste, schwarze und politische Töne ist: Mal bissig, mal humorvoll, aber immer hochmusikalisch, eine ebenso spannende wie lockere Bühnenbegegnung alter Freunde, die den Ernst des Lebens in ihrem Fach zur Genüge kennen und endlich mal wieder zusammen spielen wollen - ein „Spielplatz“ eben.
Das „Freie Forum Theater“ (FFT) in Düsseldorf gab dem Projekt im Foyer der Kammerspiele seit Januar 2001 ein Zuhause in Form einer regelmäßigen, sonntäglichen Matinee. Seit Anfang 2005 aber ist der „Spielplatz“ umgezogen und hat ein neues Zuhause gefunden: Bei Kay Lorentz auf der wunderschönen Bühne des Düsseldorfer Kommödchen. Am Zeitpunkt (sonntagmittags 5vor12) und am Konzept hat sich jedoch nichts geändert: Es wird gespielt.
Zum Programm:Natürlich gibt es für Puristen-Fans auch literarisches Kabarett und modernen Jazz in Reinkultur zu hören, aber die gemeinsamen Stücke und die Reaktionen aufeinander sind Kern des Programms und das Salz in der Suppe. Da sind zunächst Jazz-Standards a la Engstfeld-Weiss, zu denen Haverkamp deutsche Texte geschrieben hat: Engstfelds Saxophon läßt keine Dichter-Wünsche offen, und Haverkamp nimmt als Jazz-Sänger Revanche: bei seinen Versionen von „Blackbird“ oder „Girl from Ipanema“ wird auch vielrauchenden Saxophonisten die Luft knapp.
Künstlerische Schwerpunkte aber sind die freien Collagen aus literarischem Kabarett und vielfarbigem Jazz, die mal witzig, mal absurd-abgedreht, mal dadaistisch ausfallen und einen hohen Improvisationsanteil haben. Wenn man Stücke wie „Elefanten rasen durch die Nacht“ oder „Die Familienfeier“ hört, ist man fast versucht, von „Free-Sprech“ oder „satirischem Jazz“ zu sprechen, und es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß da eine neue Form der Begegnung entsteht. Hilft aber alles nichts: Man muß schon die eigenen Ohren bemühen.
Inzwischen hat sich das Projekt „Spielplatz“zu einem Ensemble mit gleichermaßen unterhaltsamem wie auch anspruchsvollem Repertoire entwickelt, dem die Presse bescheinigt: „Intelligent und witzig“(WZ). „Ein Leckerbissen für Jazzfans und Freunde des Kabarett“ (RP). „Höchst vergnügliche Grenzgänge zwischen modernem Jazz und literarischem Kabarett“ (Saarländischer Rundfunk) . „Ein Spielplatz, der mit seinem genialen Mix aus Jazz und Kabarett längst zur sonntäglichen Institution geworden ist“ (Express).
Weitere Infos unter: www.wendelin-haverkamp.de & www.engstfeld-weiss.de